Meine Geschichte

Ich träume von einer Welt, in der ein Coming-out nicht mehr notwendig ist, weil jeder Mensch einen gesunden Umgang mit seiner eigenen sexuellen Orientierung gelernt hat.

Wie alles begann

Hallo, mein Name ist Michael Kensy. Ich bin 38 Jahre alt und schwul.

Mein eigenes Coming-out hatte ich mit 27. Doch bis dahin war es ein langer Weg. Rückblickend kann ich jetzt sagen, dass ich es schon immer gewusst habe. Nur wahrhaben wollte ich es nicht. Bereits als Kind habe ich mich viel mehr für die Jungs interessiert. Aber auf eine Art und Weise, die ich damals noch nicht verstand.

In der Schule habe ich versucht mich krampfhaft für Mädchen zu interessieren. Jeder Junge hat das gemacht. So gehörte es sich ja schließlich auch. Dass das nicht zu mir passte, war mir nicht bewusst. Ich fand Jungs süß, konnte mir aber keinen Reim darauf machen, also habe ich das ignoriert. Die Erwartungen meines Umfeldes an mich waren klar: Eine Freundin finden, dann mache ich alle um mich herum glücklich und jeder freut sich für mich. Ein erstrebenswerter Zustand… auf den ersten Blick. Nur habe ich dabei leider übersehen, was ich eigentlich für mich selbst wollte.

Die Tatsache, dass ich schwul sein könnte, erschien meinem Unterbewusstsein als so bedrohlich, dass ich mich nie bewusst damit beschäftigt habe. Nicht mal dann, als ich Tagträume und Fantasien von anderen Jungs hatte. Ein Schutzmechanismus meiner eigenen Psyche, wie ich heute weiß.

 

Vermeidung und Sehnsucht

So kam es, wie es kommen musste: Ich hatte Freundinnen gehabt. Meist ging die Initiative von den Mädchen aus, denn ich wollte ja eigentlich was ganz anderes. Ich habe sie wirklich gemocht, konnte sie aber nicht so lieben, wie sie es verdient hätten. Daher hielten die Beziehungen auch nie lange.

Das war eine ernüchternde Vorstellung von Liebe. Wo warne die Schmetterlinge, von denen alle sprachen? Warum fühlte sich das nicht richtig an? Ich hatte keine Antwort….jedenfalls keine, der ich mir bewusst war.

Als ich nach der Schule mit meinem Studium begann, habe ich es dann ganz vermieden, mich mit Frauen zu treffen und durfte mir ständig die Frage anhören, warum ich denn immer noch Single sei. Währenddessen  habe ich weiter den Männern hinterhergeschaut und mich einfach nur noch traurig und totunglücklich gefühlt. Doch nach wie vor drang das Offensichtliche nicht in mein bewusstes Denken vor.

Nach dem Studium ergab sich dann eine interessante Gelegenheit. Ich hatte zwei Job-Angebote. Eines bei einem großen Konzern in meiner Heimat, ein anderes bei einer kleinen Start-Up Firma in Köln. Bei dem Konzern hätte ich mehr Geld verdient und wäre in der Nähe meiner Familie und Freunde geblieben. Aber irgendwas zog mich intuitiv nach Köln. Also sagte ich dort zu und schon eine Woche später habe ich dort angefangen.

Köln veränderte alles!

Zum ersten Mal im Leben war ich auf mich alleine gestellt. Gleichzeitig aber war keiner mehr da, der irgendwelche Erwartungen an mich stelle. Am 31.10.2011 wollte ich ganz spontan nach einer Halloween-Party schauen. In den Suchergebnissen sprang mir eine Party für Schwule, Lesben, Bi, Trans und friends ins Auge und ich entschied mich, dass ich diese Party besuchen wollte. „Diese Homos sind doch ein nettes Völkchen“, dachte ich mir. So zog ich abends los.

Doch was mich dort erwartete war wie ein Schock für mich. Die Schlange vor der Location war so lang, dass ich wusste, ich würde an diesem abend dort nicht mehr rein kommen. Ich war so dermaßen enttäuuscht, dass mir zum Weinen zumute war. Gleichzeitig kam in mir dann die Frage auf, warum mich das gerade so traurig macht, dass ich nicht auf diese Party kann? Und endlich kam sie, die Antwort, die alles veränderte.
„Weil ich schwul bin und damit zu ihnen gehöre“!

Was für eine Erleichterung. Der größte Aha-Moment in meinem ganzen Leben. Eine tonnenschwere Last fiel von mir ab und ich konnte endlich durchatmen. Sovieles konnte ich mir nun erklären. Meine Psyche war offensichtlich der Meinung, dass ich die Wahrheit nun verkraften kann.

Doch damit finden neue Probleme an…

Wie es weiter ging

Trotz meiner gefundenen Identität und der Erleichterung, wurden nun neue Fragen in mir laut:

  • Bin ich nicht zu spät dran?
  • Was wird meine Familie sagen?
  • Werden sich meine Freunde von mir abwenden
  • Wo lerne ich andere schwule Menschen kenne?

Die Frage, ob ich zu spät dran bin für ein Coming-out ist natürlich absurd. Was wäre die Alternative gewesen? Doch lieber heterosexuell bleiben? Aber ich habe sie mir wirklich gestellt.

Die größte Angst, die ich tatsächlich hatte war die Reaktion meines engeren Umfeldes. Auch wenn ich mir nicht vorstellen konnte, dass sich jemand von mir abwendet, war meine Panik riesen groß. Aber ich wollte mich auch nicht mehr verstecken. Also nahm ich mir vor, denen, die mir wichtig sind, davon zu erzählen.

Wie von mir erwartet gab es keine einzige negative Reaktion. Dennoch war es jedes Mal eine verdammte Überwindung und eine riesen Angst vor den möglichen Reaktionen. In dieser Zeit hätte ich mir jemanden an meiner Seite gewünscht, der mich unterstützt und begleitet, wie ich meine neue Identität erforsche und ein neues Leben gestalte.

Mein Coming-out wird nie vorbei sein. Es geht immer weiter. Aber mittlerweile bin ich so selbstsicher und glücklich mit meiner sexuellen Orientierung, dass es mir keine Angst mehr macht mich so zu zeigen wie ich wirklich bin. Ich hoffe damit ein Vorbild für andere sein zu können.

 

Michael Kensy | Coach mit Queerkompetenz

Ich hoffe ich konnte dir mit meiner persönlichen Geschichte Mut machen. Ein Coming-out ist immer ein schwieriger Prozess, der ganz individuell verläuft. Zu spät ist man nie dran. Unsere Psyche ist ein erstaunlicher Mechanismus. Er schützt uns besser davor durchzudrehen, als wir denken. Daher gibt es kein zu spät bei einem Coming-out, sondern immer nur genau richtig!

Nie war die Zeit besser, du selbst zu werden

Ausbildung

  • Studium der Wirtschaftsinformatik
  • Ausbildung zum Psychologischen Berater
  • Weiterbildung zum Personal Coach
  • Zertifizierter Hypnose-Coach
  • Zertifizierter Deep-Ocean-Coach
  • Ausbildung zum Verhaltenstherapeuten (2023)
  • Ausbildung zum Heilpraktiker für Psychotherapie (2024)
  • Studium der Psychologie (Beginn 2023)

Jetzt bist du dran

Du kennst jetzt meine persönliche Geschichte.
Nun bin ich auf deine Geschichte gespannt.

Erzähle sie mir und lass uns gemeinsam schauen, wie ich dabei begleiten kann, der zu werden, der du tief im Inneren bereits bist.

Habe auch du den Mut dich zu zeigen, so wie du wirklich bist.